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Spontanes Freudenfest in Atterwasch am 2. April 2017
Begegnungen - Veröffentlicht am 04.04.2017 16:13 von Helmut Fleischhauer

Am 30. März fiel die Entscheidung der LEAG, der Nachfolger des schwedischen Staatskonzernes Vattenfall, dass das geplante Abbaugebiet Jänschwalde-Nord nicht erschlossen wird. Die Entscheidung über das Feld Welzow II wird auf 2020 verschoben. Auch für die Tagebaufelder in Sachsen fielen Entscheidungen. Der Tagebau Nochten wird nur zum Teil ausgekohlt, Nochten II wird nicht in Anspruch genommen.
Was bedeutet das für die Menschen in den Braunkohleregionen von Brandenburg und Sachsen?
Die Menschen wurden viele Jahre Spielball der Politik und Wirtschaftsinteressen.
Ein Wirtschaftsunternehmen denkt in "Abschöpfungsketten", "Gewinnmaximierungen". Wenn sich das nicht mehr lohnt ist halt Schluss. Die Menschen in der Region? Was kümmert das schon.

Im Mai 2007 wurde die Clausthal-Studie öffentlich mit einer Auflistung abbauwürdiger Felder bekannt. Dazu gehörten Jänschwalde Nord, Jänschwalde Süd, Cottbus Süd, Forst Hauptfeld und weitere Stätten der Bonitätsklasse A.
Jänschwalde Süd hätte die Dörfer Gosda, Dubrau, einen Teil von Noßdorf, Klein- und Groß Jamno und alle Dörfer bis südlich der Autobahn vernichtet. Im Forst Haupfeld wären ein Teil von Neu Horno, Mulknitz, Neu Sacro, Sacro, Naundorf zum Opfer gefallen und direkt an der Dorfgrenze von Bohrau verlaufen. Das ist zwar erst zehn Jahre her, vermutlich ist das schon in Vergessenheit geraten. War nicht einfach, habe aber noch etwas darüber gefunden
Auf Seite 31 ist eine Karte der Region mit den dort ausgewiesenen Feldern.

Mulknitz war nach Bekanntwerden der Clausthal Studie das erste Dorf, dass rebellisch wurde. Aber was sollten 94 Bewohner tun? Die Lösung war die Webseite www.mulknitz.com , die ich in 10 Tagen fertigstellte. Es wurde Pressearbeit gemacht und das kleine, aber widerborstige Dorf, schaffte es in die Medien quer durch Deutschland. Jede Woche konnte man etwas über Mulknitz lesen oder sehen.
Einen Monat später wurde die „Klinger Runde“ in Gosda gegründet. Natürlich waren Mulknitzer dabei.
Im Herbst 2007 wurde das Abbaufeld Jänschwalde Nord bekanntgegeben. Für die Menschen in Atterwasch, Grabko und Kerkwitz ein Schock. Vermutlich erhofften sich Politik und Wirtschaft nun, dass das auch das Ende der „Klinger Runde“ sei, da ja Jänschwalde Süd und Forst Hauptfeld nicht betroffen waren. Weit gefehlt, Mitglieder der Klinger Runde waren beim ersten Bürgertreffen in Schenkendöbern dabei und sicherten Unterstützung zu.
Da ich damals dabei war, musste ich am Sonntag in Atterwasch sein. Es war so schön, die Menschen zu sehen, die in den vergangenen zehn Jahren der Unsicherheit zum Teil um mehr als zehn Jahre gealtert waren mit freudigen Gesichtern zu sehen und mitzuerleben, wie sie sich in den Armen lagen.
Auch ich wurde so manches Mal geknuddelt. In den zehn Jahren der Unsicherheit war ich so manches Mal als Führer und Dolmetscher mit Journalisten, Fotografen, Fernsehteams aus Polen, Norwegen, Schweden, Schottland und Gruppen aus Mecklenburg-Vorpommern und Deutschland unterwegs um ihnen zu zeigen, was die Gier der Menschen der Natur und den Menschen antut.

Falls mir nun Irgendwer vorwirft, ich hätte kein Herz für die Menschen, die in der Braunkohle ihr Geld verdienen, dann ist das schlicht und einfach falsch und eine nicht haltbare Unterstellung.

Für mich ist es die Schuld der Politiker, die die Menschen in den von Umsiedlung bedrohten Dörfern und auch die Arbeitnehmer in den Tagebauen schmählich im Stich gelassen haben.
Vor etwa acht Jahren habe ich einen Artikel in NIEDERLAUSITZ aktuell veröffentlicht mit der Frage, wo denn der Plan B sei. Die Reaktion war Null.
Es gibt in Brandenburg eine etwas seltsame Förderpolitik, die der „Entwicklungskerne“. Dann wurde das Land in zwei Teile aufgeteilt, Im nördlichen Teil gibt es gegenüber z.B. Forst 10% mehr Fördermittel. Grund genug für Unternehmen, eine Ansiedlung z.B. in Forst zu vermeiden, weil es nördlich der Fördergrenze (bei Eisenhüttenstadt) mehr gibt. Die Politik war offenbar der Ansicht, die Braunkohle wird es schon richten. Zukunftsvisionen = Null. Eine Reihe von Politikern, die vor 8 Jahren im Amt waren und für sich hin geschlafen haben, sind nicht mehr im Amt. Die Arbeitnehmer und auch die „Klinger Runde“ gibt es noch. Und ihre Sorgen auch.

Vor einigen Wochen haben sich die CDU Sachsen und Brandenburg auf eine PRO Braunkohle Aussage geeinigt. Man möge mir die Frage gestatten, ob das eine Entscheidung für Menschen war oder eine Entscheidung für Wählerstimmen. Damals standen ca. 3,500 Umsiedlungen im Raum gegen 8.000 oder 10.000 oder wie viel auch immer (ich habe die Zahlen ja nicht selber gefälscht), die ihr Geld im Tagebau verdienen. Grund genug, die Mehrheit der Wählerstimmen einfangen zu wollen.

Weitere Gedanken von mir
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Gedanken zum Bundesberggesetz

NIEDERLAUSITZ aktuell wurde von mir im November 2007 gegründet und ich war Herausgeber bis April 2013.Mit der Gründung habe ich mich aus der "Klinger Runde" zurückgezogen, damit mir kein Mensch einseitige Berichterstattung vorwerfen konnte. Die gab es da auch nie. Pro und Contra wurden gleichwertig veröffentlicht. Die Braunkohlegegner hatten in den etablierten Medien ja keinen Platz. Die ehrenamtliche Bürgerzeitung NIEDERLAUSITZ aktuell war nicht von Werbung großer Firmen abhängig und bot auch ihnen eine faire Plattform.