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Rosenkönigin Jessica I.: „Die leuchtenden Augen der Kinder, die mich schüchtern um ein gemeinsames Foto baten, werde ich nicht vergessen“
Begegnungen - Veröffentlicht am 04.07.2017 18:47 von Helmut Fleischhauer

Als wir uns am Donnerstag zu einem Gespräch trafen, waren für die 20-jährige Forsterin Jessica Schmidt gerade einmal sechs Tage vergangen, seit sie von ihrer Vorgängerin Elisabeth I. zu Jessica I., der 27. Forster Rosenkönigin, gekrönt wurde. Nun wird sie ein Jahr lang ihre Aufgabe als Botschafterin der Stadt Forst (Lausitz) und ihrem Reich, dem Ostdeutschen Rosengarten, wahrnehmen.

Helmut P. Fleischhauer: Jessica, hast Du Dich in den vergangenen Tagen wieder regeneriert? Als wir uns am Sonntag vor Deinem ersten Auftritt des Tages kurz trafen, sahst Du ein wenig müde aus.

Jessica I.: Ja, sicher. Freitag und Samstag waren für mich spannende aber auch sehr anstrengende Tage.

hpf: Schildere doch bitte einmal Deine Empfindungen vor und während der Krönung.

Jessica I.: Ich wurde so gegen fünf Uhr unerkannt in den Bereich hinter der Bühne gebracht. Dort wurden noch die letzten Handgriffe an meiner Frisur gemacht und ich bekam mein festliches Make up. Je später es wurde, um so mehr stieg die Anspannung. Der „Smartie“, der mich auf die Bühne begleitete, strahlte so eine Ruhe und Gelassenheit aus …. das hat sich auch auf mich ein wenig übertragen. Als ich dann auf der Bühne stand und Andreas Wolff an meiner Seite wusste, fiel die Anspannung ab. Den Ablauf von der nun folgenden Krönung kannte ich und meine Begrüßungsrede hatte ich mehrfach verinnerlicht. Der Applaus der Besucher und ganz besonders meiner Familie und Freunde war überwältigend.

hpf: Der unüberhörbare Fanblock von der Bühne aus gesehen im rechten Bereich ….

Jessica I.: (mit einem Lachen) Genau, da waren alle zusammen.

hpf: War es schwierig, alle an dem Freitag in den Rosengarten zu locken.

Jessica I.: Oh ja, das war nicht so einfach. Mein Freund und ich versuchten mit Engelszungen, alle davon zu überzeugen, dass neben dem üblichen Besuch der Rosengartenfesttage am Samstag auch der Freitag mal interessant sei. Mit einer Ausnahme konnten wir alle überzeugen oder überreden. Nur eine Freundin wollte am Freitag nicht kommen. Sie war danach doch etwas betrübt, dass sie meine Krönung verpasst hatte. Aber, alles musste ja geheim bleiben.

hpf: Zurück zu den Rosengartenfesttagen. Gab es für Dich da besondere Erlebnisse, Erinnerungen?

Jessica I.: Die gesamten Rosengartenfesttage waren ein umfangreiches und besonderes Erlebnis. Auf einmal stand ich im Mittelpunkt und so viele Menschen wollten ein Foto mit mir. Es müssen Hunderte gewesen sein ….. (mit einem Schmunzeln) und ich habe nicht eins davon.
Nur ein einziges Mal ist es gelungen, bis in den eigentlichen Rosenpark zu gehen oder besser gesagt, vorzudringen. Meist war der Versuch bereits an der Entenbrücke zu Ende. Ich wollte auch immer wieder an die Pavillonbühne, um den Künstlern mit einem Rosenstrauß Dankeschön zu sagen. Ohne die Hilfe meiner Begleitung hätte ich es wohl kaum geschafft, mir den Weg durch die vielen Besucherinnen und Besucher mit Autogramm- und Fotowunsch zu bahnen. Die Ankunft am Samstag mit der Kutsche war etwas ganz Besonderes. Es waren wieder viele Besucher da und bereiteten uns einen herzlichen Empfang. Wir stiegen aus und bahnten uns den Weg. Das Treffen mit den anderen Hoheiten fand ich ebenfalls spannend, sie werde ich in Zukunft ja häufiger treffen und freue mich schon darauf. Es gibt doch etwas, was mir immer in Erinnerung bleiben wird, die Kinder. Sie schauten mich so neugierig, voller Staunen an und baten dann ganz schüchtern um eine Autogrammkarte oder ein gemeinsames Foto. Manchmal musste ich sie auffordern, um den Bann zu brechen. Ich konnte in den Augen förmlich sehen, wie sie dachten: „Oh, eine Königin, eine richtige Königin.“ Das vergesse ich bestimmt nie.
Die Rosengartenfesttage waren aufregend, erlebnisreich, spannend und auch sehr anstrengend. So viele freundliche Menschen, ich durfte nette und freundliche Künstlerinnen und Künstler auch hinter der Bühne kennenlernen, es war einfach wunderbar.

hpf: Wolltest Du schon immer einmal Forster Rosenkönigin sein?

Jessica I.: Der Gedanke schlummerte schon lange in mir. Ich habe bereits vergangenes Jahr ernsthaft darüber nachgedacht, ob ich mich als 26. Rosenkönigin bewerbe. In diesem Jahr habe ich es nun gewagt und mich beworben.

hpf: Du studierst ja Elektrotechnik .. wie kam es zu der Entscheidung?

Jessica I.: Das war so eine Eingebung meiner Familie. Bei uns wurde immer viel gebastelt, besonders im technischen Bereich, und ich war immer dabei. Daraus ergab sich die Entscheidung fast von allein. Nun bin ich im 4. Semester, so einige Semester habe ich noch vor mir.

hpf: Wie bekommst Du das Studium und Dein Ehrenamt zeitlich arrangiert?

Jessica I.: Meine Auftritte sind ja überwiegend am Wochenende oder abends. Am Freitag habe ich nur wenige Vorlesungen und dann ist auch Zeit am Nachmittag. Bald sind Semesterferien und dann habe ich noch mehr Zeit, die Rosenkönigin- Termine wahrzunehmen.

hpf: Was steht als nächstes auf dem Programm?

Jessica I.: Das besprechen „Königinnenmutter“ Angela Stadach und ich gleich nach unserem Gespräch. (mit einem Schmunzeln) Der Ordner, den sie mitgebracht hat, ist gut gefüllt.

hpf: Bevor Ihr Euch in die Terminorganisation stürzen könnt noch zwei Fragen …. Deine Hobbys und Deine Gedanken über Deine Heimatstadt Forschte.

Jessica I.: Volleyball und Tanzen. Ich tanze auch im Karnevalsverein Sacro.
Forst ist meine Heimat. Hier lebt meine Familie und hier ist mein Freundeskreis und hier sind meine Wurzeln. Die Umgebung von Forst bietet so viel wunderbare Natur und in Forst gibt es immer etwas zu erleben.
Aus Forst einmal wegziehen? Nein, möchte ich nicht wirklich. Ich hoffe sehr, ich finde eine berufliche Perspektive in meiner Heimat. Wer möchte schon weit weg von seiner Familie und seinen Freunden leben?

hpf: Da stimme ich Dir zu.
Ich danke Dir für das nette Gespräch und wünsche ein spannendes und aufregendes Jahr als Rosenkönigin. Trage die Botschaft des lebens- und liebenswerten Städtchens Forst (Lausitz) in die Welt.