Begegnungen - Gedanken - Erlebnisse   
Jessica I. : Wenn ich meine Nachfolgerin kröne, wird auch Wehmut dabei sein
Begegnungen - Veröffentlicht am 18.06.2018 15:59 von Helmut Fleischhauer

Am Samstag hatte ich mich mit Jessica Schmidt, besser bekannt als Rosenkönigin Jessica I., zu einem Gespräch zum nahenden Ende ihrer Amtszeit verabredet. Da ihr Freund David dabei sein sollte, schlug sie die Volleympics im Stadion am Wasserturm vor. Beide spielen selbst aktiv Volleyball und so bot sich das Event an. Als ich ankam, entdeckte ich Jessica mit ihrem Team bei einem Spiel. Sie sah mich, winkte mir kurz mit einem strahlenden Lachen zu und konzentrierte sich weiter auf das Match. Als das beendet war, kam sie zu mir und meinte: „Ich hole noch meinen Freund, er spielt da drüben.“
Im Zelt fanden wir einen ruhigen Tisch und nahmen Platz.

Helmut P. Fleischhauer: Jessica, was ist es für ein Gefühl, in sechs Tagen deine Nachfolgerin zu krönen?
Jessica I. : Es ist irgendwie seltsam, das vergangene Jahr ging so rasend schnell vorbei. Es kommt mir vor wie ein ganz kurzes, aufregendes und spannendes Jahr. Wenn ich an den kommenden Freitag denke, ist neben der Erleichterung, wieder mehr Zeit zu haben, auch Wehmut über das Ende der Amtszeit dabei.

hpf: Ich frage nun nicht nach dem aufregensten Auftritt, den du hattest …..
Jessica I. : Das könnte ich auch nicht beantworten. Die fast 70 Auftritte waren so unterschiedlich und jeder Auftritt hatte seinen besonderen Reiz. Da waren große und kleinere Auftritte, Auftritte an mir bekannten Orten und Gesichtern, die ich kannte und anderswo Besucher, die ich nicht kannte. Viele mir vorher unbekannte Personen durfte ich kennenlernen und auch Orte, an denen ich noch nie war. Es war immer wieder etwas Neues und ungeheuer spannend. Ich habe in der Zeit sehr viel gelernt und möchte das Jahr nicht missen.

hpf: Eine Frage an dich, David. Was hast du gesagt, als Jessica dir eröffnete, dass sie sich als Rosenkönigin bewerben will?
David: „Mach's“ habe ich gesagt ….

hpf: Und in dem einen Wort steckte alles drin? Stolz für sie. Die Unterstützung für sie. Alles?
David: Genau, in dem einen Wort war alles enthalten und Jessica wusste sofort, dass ich voll hinter ihr stehe und sie sich auf mich verlassen kann.

hpf: Hast du Jessica oft bei ihren Auftritten begleitet?
David: Ich war überwiegend bei Messen auswärts dabei. Es musste zeitlich ja auch für mich passen.

hpf: … als die Person, die immer wieder aus dem Bild gehen sollte?
David (mit einem Lachen): Das war mir Recht so ….

hpf: Wenn du von einem Auftritt wieder zu Hause ankamst, was war dann wichtiger, Beine austrecken oder erzählen?
Jessica I. : Beides. Natürlich wollte ich von meinen Erlebnissen erzählen und auch wissen, wie Davids Tag war. Besonders, wenn er beruflich die ganze Woche nicht da war, gab es immer viel zu erzählen.

hpf: Was machst du nach dem kommenden Sonntag?
Jessica I. : Ich gehe ganz normal zur Arbeit, mein erstes Lehrjahr als Mechatronikerin ist um.

hpf: Du wolltest doch Elektrotechnik studieren.
Jessica I. : Das ist richtig, ich denke aber, wenn ich auch praktisches Wissen und nicht nur die Theorie des Studiums nachweisen kann, sind meine beruflichen Chancen deutlich besser. Deshalb habe ich mich zu der Lehre im vergangenen Jahr entschieden.

hpf: Jessica, zwei vorletzte Fragen. Was war in deiner Amtszeit das lustigste, aussergewöhnlichste oder spannendste Erlebnis? Haben sich zwischen dir und den anderen „Hoheiten“ Freundschaften entwickelt?
Jessica I. (grübelt ein wenig): Das war am Kindertag im Rosengarten. Ein kleines Mädchen schaute mich an und fragte schüchtern, ob meine Familie mich regelmäßig besuchen dürfe. Sie war fest davon überzeugt, dass ich als Königin abgeschirmt in einem Schloss wohne und nur wenige Personen zu mir dürfen.
Freundschaften haben sich mit anderen Hoheiten entwickelt und mit einigen davon bin und bleibe ich in Kontakt. Am Sonntag der Rosengartenfesttage sind alle Hoheiten eingeladen, dann sehen wir uns wieder.

hpf: Und nun zur letzten Frage. Was sagst du den jungen Frauen, die mit dem Gedanken spielen, sich als zukünftige Rosenkönigin zu bewerben?
Jessica I. : Habt den Mut und bewerbt euch. Lasst euch nicht von 70 oder so Auftritten abschrecken. Ihr bestimmt, welche Veranstaltungen ihr besuchen könnt. Ich konnte auch nicht an jedem möglichen Termin dabei sein. Es wird ein spannendes Jahr für euch und macht auch stärker. Wie mein Freund zu mir sagte: „Macht's“.

hpf: Ich danke euch für das nette Gespräch. Passt gut auf euch auf und habt eine tolle Zukunft. Es war schön mit euch zu plaudern.
Noch eine kleine Bemerkung. Du weißt, dass deine Vorgängerinnen alle Mama geworden sind, soweit sie es noch nicht waren?

Jessica muss herzhaft lachen: Das wurde mir schon öfters gesagt. Es soll daran liegen, dass die Rosenköniginnen während des Amtes sehr oft mit Kindern zu tun haben ….