Begegnungen - Gedanken - Erlebnisse   
Ein Besuch beim Maître de Heureux
Begegnungen - Veröffentlicht am 16.10.2018 15:13 von Helmut Fleischhauer


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Neben seinem Namen Renè Seidel steht an der Tür noch Monsieur Hulot (eine Figur des französischen Regisseurs Jacques Tati) und Le Maître de Heureux (Der Meister des Glücklichseins).
Der Künstler Renè Seidel wurde 1956 in Henningsdorf geboren und ist im März von Berlin nach Tschernitz gezogen. Seit Jahren baut er wunderbare Zeitskulpturen. Auf meine Frage, wie er darauf gekommen sei, antwortete er mit einem fröhlichen Lächeln: "In der Schule war ich nicht besonders gut. Mein Vater gab mir Aufgaben in Mathe, Physik, Chemie und so weiter, die ich neben den Hausaufgaben lösen sollte. Da mir das sehr schwer fiel, ließ ich das und holte aus einem Schränkchen in meinem Zimmer Pappe, Papier und Kleber hervor und baute solche Dinge wie heute. Allerdings nicht funktionsfähig. Sie bestanden ja nur aus Papier und Pappe."
Sein Leben verlief nicht immer geradlinig, so war er Böttcher, Puppenspieler, arbeitete am Theater als Kulissenschieber, war Bootsmann und noch mehr. Die Liebe zu seinen Zeitskulpturen hat er dabei nie vergessen. Ein Mann entdeckte eines seiner wundersamen Kunstwerke und wollte es kaufen.
"Ich wusste überhaupt nicht, was ich verlangen sollte und nannte 50 Mark als Preis. Der Käufer schaute mich verwundert an und frage mich, ob ich das ernst meine. Sie seien viel mehr wert. Im Tausch gegen diese Skulptur gab er mir eine Drehmaschine, die ich mir damals nicht hätte kaufen können. Das war so der mechanische Grundstock meiner Werkstatt."
Jedes seiner Werke ist ein Unikat aus Messing, Stahl, Zahnrädern, feinen Stahlsehnen, selbst gefertigten Speichenrädern, Schnurrollen und was er so an Materialien findet.
Jedes dieser Unikate besteht aus zwei Bereichen, einer Uhr und einem mechanischen Zauberwerk.

Renè Seidel: "Zeichnungen fertige ich nicht an, ich habe alle Entwürfe und Zeichnungen im Kopf." "So kann Niemand diese Zeichnungen stehlen" , entgegne ich. "Genau, gelagert wie in einem sicheren Tresor."

Seine Zeitskulpturen halten die Zeit nicht auf, sie vergeht aber vergnüglicher. Etwas ist immer in Bewegung, irgend etwas fesselt das Auge.

Auf den Fotos 2 und 3 wird die Mechanik durch ein Gewicht angetrieben. Erreicht das Gewicht den Boden der Messingröhre, wird ein Kontakt ausgelöst und ein kleiner Motor zieht das Antriebsgewicht wieder nach oben und der Kreislauf beginnt erneut. Rechts ragt ein "Erdbohrer" heraus, der an die Phantasie von Jules Verne erinnert. In bestimmten Abständen setzt er sich in Bewegung und versucht, die Mitte der Erde zu erreichen. So hat jede seiner Zeitskulpturen eine eigene Geschichte.

Heute war die Zeit etwas knapp, da ich einfach so unangemeldet auftauchte. Wir werden wieder miteinander plaudern.

Wird Renè gefragt, warum er das macht, ist seine Antwort einfach: "Weil es mir Freude bereitet"
Er ist eben Le Maître de Heureux.

Interessenten können auch mit mir Kontakt aufnehmen, dann stelle ich die Verbindung her.