Begegnungen - Gedanken - Erlebnisse   
15. Internationale Folklorelawine bei tropischen Temperaturen in Forst (Lausitz) im Rosengarten (Teil 2)
Erlebnisse - Veröffentlicht am 07.07.2015 06:03 von M. Jahn


Zum Ansehen der Fotos in der Bilderstrecke auf eines der Fotos klicken
Automatische Fotoshow

Die Holzdielen zum Wanken brachten die Gäste aus Spanien.
Mit ihrem temperamentvollen Tanz, ihrer Mimik und Gestik beim tanzen war es einfach eine Freude, sie mit ihren klappernden Kastagnetten tanzen zu sehen. Das alte Spiel zwischen Mann und Frau-das beherrschten sie besonders gut auf der Bühne, erhaschten sie doch wann immer die Gelegenheit günstig war, die Rockzipfel ihrer Tanzpartnerinnen und wedelten sie in die Höhe. Da stand wohl auch beim Publikum kein Bein mehr still.
Das war Rhythmus pur, das war Spiel, das war Musik, das war hohe Kunst.

Apropo Musik, die Musiker die sich vorher schon am Künstlerzelt eingespielt haben, spielten auf der Bühne so phantastisch, da spürte man doch, wie sehr verwurzelt sie in ihrer Musik sind. Aber auch der dreistimmige Chor zauberte nicht nur bei mir Gänsehaut auf die völlig erhitzte Haut. Ein Bravo an die spanischen Vollbluttänzer-und Musiker von „Balladors des Raiguer“- das war ein absoluter Höhepunkt der diesjährigen Lawine.

Unter den Zuschauern wurden währenddessen alle Utensilien aus den Taschen gekramt, die man zum Luft wedeln benutzen konnte. Einige Clevere hatten sogar ihren Fächer mitgebracht, bei den anderen mußten die Programmhefte herhalten.

Während die Spanier mit Solotänzen beschäftigt waren, wurde am Bühnenrand mal eben die Schärpe wieder fest gewickelt.gewickelt. Nur gut, das auch hier genug helfende Hände zur Verfügung standen.

Nach Spanien war die Slowakei an der Reihe. Hier startete das „Poleno Folklorny Zubor“. Während die Slowaken ihre traditionellen Tänze auf der Bühne tanzten, entdeckten doch immer wieder ein paar Kinder die aufgestellten Rasensprenger und hatten ihren Spaß unter der erfrischenden Abkühlung.

Der Pantomimentanz war bei den Zuschauern der Favorit. Wie Aufziehpuppen agierten die Tänzer auf der Bühne, ihre Mimik und Gestik war grandios anzuschauen.

Etwas schlagkräftig ging es dann beim Holztanz daher...hier wurde geneckt und gedroht und geklappert- am Ende waren alle aber wieder friedlich vereint...

Welch unbändige Lebensfreude in ihren Tänzen steckte, auch diese Gruppe war ein Highlight von der Folklorelawine.

Philipp Wesemann sowie die Forster Rosenkönigin Stefanie bedankten sich nochmals bei allen Künstlern, fanden aber auch ein paar aufmunternde Worte für die schwitzenden Zuschauer.

Zypern schickte die „Folklorevereinigung“ der Stadt Lakatamia ins Rennen. Die Damen kamen in schmuck gestreiften Kleidern, die Herren in knackigen schwarzen Hosenröcken - auch hier wurde mit viel Herzblut getanzt. Beim Tanz mit einer großen Sichel stockte den Zuschauern dann doch der Atem, denn diese wurde mit einer Leichtigkeit in die Luft geworfen und ohne Blessuren auch wieder aufgefangen. Eine Nachahmung ist hier sicher nicht zu empfehlen.

Ein wenig schade, die Hitze hat irgendwann auch die Techniker erfaßt, denn bisweilen standen mehr Mikrofone auf der Bühne im Bild als Tänzer.

Einen sehr weiten Weg hatten die tanzenden Damen aus Canada. Ihre prächtigen Cancankleider waren natürlich der Hingucker des Nachmittages. Man kam irgendwie gar nicht nach, ihre vielschichtigen Lagen zu zählen, nun sie wedelten und reizten natürlich mit ihren weit schwingenden Röcken- eine wahre Pracht war dieser Augenschmaus. Nach jedem Tanz unterhielt die Sängerin das Publikum mit handgemachter Gitarrenmusik, hervorragend gesungen, welche sich aber nicht so recht harmonisch in die Tänze einfügen wollte. Man mußte die Stimmung immer zwischen Country und Jacques Offenbach wechseln.

Auf alle Fälle hatten sie schmucke Spitzenunterhöschen an, die Damen von „The Mill Girl Follies“ - und hatten alle viel Spaß auf der Bühne.

Randzuschauer auf den Bänken waren natürlich alle auftretenden Künstler selbst, entweder vor ihrem Auftritt oder völlig kaputt nach ihrem Auftritt.

Estland folgte den quirligen canadischen Damen. Sie waren hier mit dem „Ensemble Oh ja Ah & Udusolg“ vertreten. Sie zeigten raffinierte Elemente aus der Folklore zB. eine Kette. In dieser wird hintereinanderstehend wie im Slalom auf den nächsten Partner zugegangen, am Ende umgedreht und denselben Weg wieder im Slalom zurückgetanzt- dies natürlich im Takt. Sobald einer aus dem Takt kommt , wird die gesamte Kette unterbrochen. Flotte und völlig exakte Handgriffe werden hierfür gebraucht- aber das hatten sie- die gut gelaunten Estländer. Dieses scheinbare Durcheinandergewusel sah von Weitem einfach toll aus.

Das banale Harken nicht nur zum harken da sind, zeigten uns die Damen mit ihrem schwungvollen Harkentanz, sie tanzten und hüpften mit den Harken- das hebt vielleicht auch die Laune bei der Gartenarbeit- wer weiß, woher diese Inspiration kam, auf alle Fälle war es eine lustige Idee. Und nebenbei brachte sie ein Küsschen vom Forster Bürgermeister ein, die sich die Damen dann wohl alle austauschen und teilen müssen.

Feuer unter dem Hintern hatten auch die vorletzten Tänzer. Die Türkei mit der anatolischen Volkstanzgruppe „Halay“ kam in farblich prachtvollen Folklorekleidern daher, jeder Schritt saß. Hier machte das zuschauen auch wieder so richtig Spaß und wer bis dahin von der Hitze etwas am dösen war, war mit der schwungvollen Musik dann wieder so gleich richtig wach.

Gegen 20.00 Uhr wurde die Rosenkönigin zur Glücksfee und verloste verschiedene Preise. Zuerst für die Kinder, anschließend für die Erwachsenen. Beim Eintritt bekam jeder Zuschauer ein Los. Leider waren auf Grund der Hitze nicht mehr alle Zuschauer bis Abends im Rosengarten und so wurde ein Los am anderen gezogen, bis die sehr attraktiven Preise unter die erfreuten Gäste gekommen sind. Theaterkarten für das Cottbuser Theater war der Hauptpreis.

Dann beendete das russische Gesangsensemble „Kasatchki“ den heißen aber schwungvollen Folklorenachmittag im Forster Rosengarten. Frauen gegen Männer hieß es hier. Beide Geschlechter wetteiferten um die Wette- und auch hier war Mimik und Gestik auch ohne Sprache schauspielerisch eindeutig zu verstehen.

Dies war ein würdiger Abschluss, der viel Freude bereitete und wohl noch lange in guter Erinnerung bleiben wird.

Mal sehen wo uns die nächste Folklorelawine im neuen Jahr hinführt.