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Rosen veredeln
Erlebnisse - Veröffentlicht am 13.07.2014 10:11 von Helmut Fleischhauer

Vorbereitet zum Veredeln Freilegen der Bundsrose Das Gummistück zum Schutz der Veredlungsstelle
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Vor einiger Zeit fragte mich Hans-Rainer Engwicht ob ich mir mal das Veredeln von Rosen ansehen möchte. Natürlich interessierte mich das. Das Veredeln von Obstbäumen kannte ich, das hatte mir vor Jahrzehnten mein Vater genau erklärt und gezeigt.
Vergangenen Sonntag fragte Hans-Rainer mich dann gegen acht via facebook ob ich vobeikommen möchte, gleich ginge es los.
Aber klar doch. Also auf und 'rüber zur Baumschule.
Er hatte bereits Edelrosenzweige mit verblühten Blüten geschnitten. Nun wurden die Stacheln entfernt.
Bei der Veredelung werden die Augen, die direkt über den Blattstielansätzen sind, benötigt.
Nun ging es in den Bereich der Baumschule, in dem Reihen von im vergangenen Jahr aus Sämlingen gezogenen Hundsrosen als widerstandsfähige Grundlage auf die Veredelung mit Edelrosen warteten.
Zuerst legte er den Wurzelhals der Hundsrosen frei und säuberte sie von Erde (Foto 1), dann begann das eigentliche Veredeln. Mit einem scharfen Veredelungsmesser schnitt Hans-Rainer ein Auge vom Stiel der Edelrose, drehte diesen einige Zentimeter langen Streifen um und entfernte noch Holz des Zweiges. Das Auge ist mit der Rinde und nicht mit dem Stiel direkt verbunden (Foto 2, das Auge ist rechts im Bild zu sehen).
Nun nahm Hans-Rainer einen T-Schnitt am Wurzelhals der Hundsrose vor, hob mit der anderen Seite des Veredelungsmessers die Rinde vorsichtig an, fügte das Auge ein und schnitt noch die oben überstehende Rinde des Auges an dem waagerechten Schnitt der Hundsrose ab (Foto 3).

Nun muss diese veredelte Stelle noch geschützt werden. Früher wurde dazu Bast verwendet, eine mühsame und zeitaufwendige Arbeit. Heute gibt es kleine Gummistücken mit einer Klammer. Die werden einfach um die Veredelungsstelle gewickelt. Nach einigen Wochen verrotten diese Stücke, etwa um die Zeit, nachdem das Auge mit der Hundsrose eine Verbindung eingegangen ist.
Im Herbst wird die Veredelungsstelle wieder mit angehäufelter Erde geschützt. Im kommenden Frühjahr sind dann die Triebe der Edelrose zu sehen und die Hundsrose wird oberhalb der Veredelungsstelle abgeschnitten. Es dauert ein weiteres Jahr bis die Rose zum Verkauf geeignet ist.

Ein langer und mühsamer Prozess.

Da fast alle Edelrosen geschützt sind, benötigen alle Baumschulen, die diese Rosen mit Hilfe der Veredelung selbst vermehren möchten, eine Lizenzvereinbarung mit dem Züchter. Pro Rose wird dann eine Lizenzgebühr fällig.
Für private Zwecke gilt das allerdings nicht. Voraussetzung ist, dass die selbst veredelte Edelrose auch nur privat im eigenen Garten verwendet wird.

Für mich war es sehr interessant und lehrreich, das Veredeln von Rosen einmal hautnah miterleben zu können.

Ein Veredelungsmesser ist ideal: Die Klinge muss scharf und sauber sein, an der anderen Seite des Messers ist ein Hilfsmittel zum Anheben der Rinde ohne sie zu beschädigen. Erinnert mich an ein Falzbein.
Damit die Schnittstelle an der Basisrose und das Auge nicht austrocknen, muss das Veredeln zügig geschehen.
Die Veredelungsstelle nicht mit den Fingern anfassen. Mit dem Gummistück schützen und der Natur die nötige Zeit lassen.

Teil 2: Rosen abwerfen
Teil 3: Rosen pinzieren